Aus dem Buch «Od rowerzysty do kolarza» · 2023
In Punkten und Regenbogenstreifen
Interview: Katarzyna Ślęzak

Alina Myłka ist eine wandelnde (oder eher fahrende) Inspiration. Sie ist vor Kurzem Mutter geworden und schon wieder in Form und am Rennenfahren. 2021 wurde sie in Sarajevo doppelte Amateur-Weltmeisterin bei der UCI Gran Fondo Weltmeisterschaft. Ausserdem hat sie viele Siege bei Ultramarathons in der Schweiz auf ihrem Konto, wo sie lebt und täglich trainiert. Sie gehört zu den Menschen, die am längsten mit Arek zusammenarbeiten. Gemeinsam haben sie es von fast null bis zu so beeindruckenden Ergebnissen geschafft. Wer ist die Frau, an deren Hinterrad sich die meisten Männer in Trainingslagern nicht halten können?
Du kommst gerade von der UCI Gran Fondo Weltmeisterschaft der Amateure in Schottland, die du auf dem 5. Platz beendet hast. Das ist natürlich ein beeindruckendes Ergebnis, zu dem ich dir herzlich gratuliere, aber ich vermute, du bist dort für ein weiteres Gold hingefahren.
Als ich die Startliste sah, wusste ich schon, dass es wirklich hart werden würde. Hier fährt jede für sich, sogar die Polinnen jagen dich, niemand wartet auf jemanden. Es gab viele weniger erfahrene Frauen, die sich nach vorne drängten, und die letzten 5 km bis zum Ziel waren sehr nervös, eine ist sogar gegen mich geprallt, was bei dem Tempo, das wir im Finale hatten, einfach extrem gefährlich war. Auf dem letzten Abschnitt bis zum Ziel war die Strasse sehr schmal. Dazu kam ein Durcheinander bei der Verpflegung, ich fand mich nicht zurecht und habe dort ziemlich viel Zeit verloren. Während ich meinen Mann Antek suchte, sind mir die anderen davongefahren.
Zum Sieg fehlte sehr wenig, nur 3 Sekunden. Was hast du im Ziel gefühlt?
Grundsätzlich hadere ich nicht mit der Weltmeisterschaft, es ist eher ein Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre, denn ich bin überzeugt, dass ich sehr gut vorbereitet war, aber mir haben wohl die Intuition und der taktische Kampf auf diesem letzten Abschnitt gefehlt. Ich habe angefangen zu überlegen, ob ich etwas hätte besser machen können, aber es gab einfach keine Chance, besser zu fahren. Ich bin nicht enttäuscht, vielleicht nehme ich es den Organisatoren ein wenig übel, dass gerade dieses Finale nicht auf einer breiteren Strasse war. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die Frauenkategorien getrennt gewesen wären, denn wir sind zusammen gestartet und die Frauen aus der jüngeren Altersklasse haben mir die Möglichkeit verbaut, im Finale gegen die Frauen meiner Altersklasse zu kämpfen, deshalb herrschte im Ziel so ein seltsames Chaos.
Und was fühlst du heute, wo sich die Emotionen etwas gelegt haben?
Ich denke, ich werde sehr schnell ein neues Ziel finden und mich darauf konzentrieren. Selbst wenn ich diese Weltmeisterschaft gewonnen hätte, würde ich auch ein neues Ziel suchen. Ich brauche nämlich einen konkreten Programmpunkt in naher Zukunft, um aktiv sein zu können. Ich bin zufrieden, weil ich gut gefahren bin, obwohl ich immer noch eine stillende Mutter bin, ständig unausgeschlafen. Und es ist für mich eine riesige Genugtuung, dass ich es nach einem Jahr Pause geschafft habe, auf das Niveau zurückzukehren, auf dem ich vor der Schwangerschaft war.
Fühlst du dich als Inspiration für andere Frauen? Meiner Meinung nach bist du zweifellos eine.
Manchmal treffe ich jemanden, der mir bewusst macht, dass ich für ihn eine Motivation bin, und das ist sehr schön. Allerdings mache ich das für mich. Ich glaube, jeder Mensch muss etwas Eigenes haben, das ihn weiterbringt. Ich strebe danach, dass meine Arbeit mich erfüllt, und meistens tut sie das auch, aber die Zeit, in der ich trainieren gehe, ist ein Moment für mich, in dem ich zur Ruhe kommen und mich beruhigen kann, um danach auf Hochtouren zu funktionieren. Aus diesen Gründen habe ich mit dem Radfahren angefangen.
Erzählst du uns von diesem Anfang? Wie hat dein Abenteuer mit dem Velo begonnen?
Mein Abenteuer mit dem Velo begann noch in Polen. Ich kaufte mir ein Velo, damals ein MTB, um damit statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, und merkte, dass mir das einfach gefällt und dass dadurch in allen anderen Lebensbereichen alles viel besser läuft, ich fühlte mich auch viel besser. Ich wurde immer mehr gepackt – es ist unglaublich, dass dieser Sport so positiv auf mich wirkt. Das Velo nimmt einen grossen Teil meiner Zeit in Anspruch, aber die Zeit, die mir bleibt, nutze ich viel besser, als ich sie nutzen würde, wenn ich nicht trainieren würde.
Du bist sehr schnell vom Velokauf zum ersten Rennen gekommen, oder?
Ja, als ich anfing, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren, starteten meine Arbeitskollegen schon bei verschiedenen Rennen. Damals dachte ich nicht daran, ich wehrte mich sogar mit Händen und Füssen, wenn sie es mir vorschlugen. Aber sie wollten als Team bei einem Marathon starten und überredeten mich, mitzufahren. Ich bin gestartet, obwohl ich keine Ahnung hatte, worauf ich mich einlasse. Es waren 60 km und 2000 Höhenmeter, und ich war ja nur zur Arbeit gefahren. Ich kam als Letzte ins Ziel, ich war wohl 6 Stunden unterwegs, war völlig erschöpft, hatte im ganzen Körper Muskelkater, konnte nicht einmal lächeln, weil mir buchstäblich alles wehtat. Aber so viele Emotionen wie bei diesem Rennen hatte ich vorher noch nie gefühlt, und so sehr ich mich dagegen gewehrt hatte, so sehr hat es mir gefallen. Der Wettkampf und die Genugtuung, das Rennen beendet zu haben, haben mich überzeugt – ich dachte mir, da steige ich ein.
Und du hast angefangen zu trainieren?
Ich erinnere mich, dass ich gleich nach diesem Rennen das Buch «The Mountain Biker’s Training Bible» von Joe Friel gekauft habe. Dadurch lernte ich die Grundlagen des Trainings kennen, ich erfuhr, dass man Ausdauertraining und auch Krafttraining machen muss. Und auf Grundlage dieses Buches stellte ich mir selbst ein erstes provisorisches Training zusammen. Später kaufte ich ein Rennvelo, und das fiel mit dem Umzug in die Schweiz zusammen. Dort merkte ich im Training schnell, dass mich viel ältere Herren, Grossväter, überholten, also beschloss ich, dass ich mein Trainingsprogramm verbessern muss. Da wandte ich mich an Arek – das war 2014, der Beginn eines systematischen Trainings. Wir begannen mit Grundlagentraining im aeroben Bereich und einfachen Monatsplänen. Eine echte Verbesserung sahen wir ein Jahr später, als wir auf Wochenpläne mit Leistungsmessung umstiegen.
Man kann sagen, du hast mit Arek bei null angefangen, und kurz darauf bist du Weltmeisterin geworden. Wie viel Zeit verging, bis die ersten bedeutenden Ergebnisse kamen?
Das kann ich jetzt schwer sagen, denn bevor ich mit Strassenrennen anfing, nahm ich an MTB-Rennen teil. Dort zählt die Technik sehr viel, und es war unrealistisch, dass ein Trainer, mit dem ich nur aus der Ferne sprach, sie mir beibringt. Und damals hatte ich in der Schweiz keine Gruppe, mit der ich hätte trainieren und von der ich hätte lernen können. In Polen war das anders, denn dort waren die Arbeitskollegen, und ich wusste so viel, wie ich mir bei gemeinsamen Trainings mit den Jungs abschauen konnte. Deshalb schaffte ich es in diesen ersten 2 Jahren nicht aufs Podest, aber nach einer Knieverletzung, die ich mir beim Skifahren zugezogen hatte, kam ich auf die Idee, nach Polen zum Tatra Road Race zu fahren und auf der Strasse zu starten. Ich hatte keine grossen Erwartungen, aber es stellte sich heraus, dass ich allen fast eine halbe Stunde abgenommen hatte. Das war mein erstes Podest und mein erster Sieg. Ich war sehr überrascht, beschloss aber, das MTB zugunsten des Rennvelos aufzugeben. So begannen die härteren Trainings und die ersten spürbaren Ergebnisse.
Wie lebt und trainiert es sich in der Schweiz? Wie sieht das aus der Perspektive einer Frau auf der Strasse aus?
Es fällt mir schwer, das mit Polen zu vergleichen, denn eigentlich habe ich erst in der Schweiz richtig mit dem Fahren angefangen. Aber was die Schweiz betrifft, sind die Trainingsbedingungen hier hervorragend. Es gibt sehr viele Velowege, unzählige grossartige Pässe mit wunderschönen Aussichten, glatten Asphalt, kleine und grosse Anstiege. Es gibt sehr viele Radfahrer, und die Autos nehmen sehr viel Rücksicht auf Velofahrende, sie überholen nicht bei Gegenverkehr. Die Bussen für Verkehrsverstösse von Autofahrern sind sehr hoch, das motiviert also auch, die Regeln einzuhalten. Dadurch fühlen sich Velofahrende auf den Strassen sicher. Ein Plus ist auch, dass ich, wenn im Winter das Wetter schlecht ist, mit dem Zug auf die andere Seite der Alpen fahre, und dort ist immer schönes Wetter. Ich wohne in Bern, hier ändert sich das Wetter schnell, deshalb muss ich auf dem Weg zum Training auf alles vorbereitet sein. Was die Frauen angeht, dominieren unter den Radfahrern natürlich die Männer, aber es gibt auch viele Frauen. Die meisten von ihnen fahren nicht bei der Elite, sondern bei Amateurrennen. Deshalb ist das Niveau der Frauen, die dort starten, sehr hoch.
Mich interessiert, ob du immer allein trainierst. Trainierst du lieber allein oder fährst du lieber in der Gruppe?
Vor der Geburt habe ich versucht, so viel wie möglich in der Gruppe zu fahren, aber jetzt ist das leider fast unmöglich, weil ich noch stille. Und das ist momentan wohl mein grösster Schmerz, denn ich fahre nicht gern allein. Ich habe es genossen, als mein Radsport geselliger war. Oft schlägt jemand vor, dass wir zusammen trainieren, aber meistens bekommen wir es zeitlich nicht hin. Ich bin in einem Veloclub mit etwa 30 Mitgliedern, und auch da ist es jetzt zeitlich schwierig, zusammen zu trainieren. Es gibt ein paar Rennen, bei denen fast alle aus dem Club starten, dann unterstützen wir uns toll gegenseitig. Wir waren auch zusammen in einem Trainingslager auf Gran Canaria, mit Arek konnte ich an einigen Trainingslagern teilnehmen, und deshalb weiss ich, dass ich mich beim Training in einer grösseren Gruppe am wohlsten fühle. Ich denke, ich werde schrittweise wieder mit anderen Leuten trainieren, aber vorerst fahre ich hauptsächlich allein, und es sind kürzere Distanzen. Vor der Schwangerschaft bin ich Ultramarathons gefahren, da dauerte ein einziges Training 7–8 Stunden in den Bergen.
Deine Form und deine Ausdauer sind beeindruckend. Vor Kurzem hast du ein Rennen mit insgesamt fast 5000 Höhenmetern gewonnen. Was motiviert dich, deine eigenen Grenzen zu überschreiten?
Das ist eigentlich eine sehr interessante Frage, denn wenn ich schon mehrere Stunden fahre und mir alles wehtut, frage ich mich selbst, warum ich das mache. Für mich ist es ein Abenteuer, ich mag diesen Zustand wohl einfach. Ich erinnere mich, wie mein Mann vor meinen ersten Langstreckenrennen immer wieder sagte, dass ich es nicht schaffen würde. Aber ich habe es geschafft und die Distanzen sogar noch verlängert. Nach einem Rennen über 300 km und 8000 Höhenmeter hat er aufgehört, das zu sagen. Bei mir ist es wohl einfach so, dass ich bei solchen mehrstündigen Rennen grössere Chancen habe als auf kurzen Distanzen. Ich war damals 6. in der Open-Kategorie, ich glaube, ich ertrage lang anhaltenden Schmerz gut und lege mit der Distanz und jedem weiteren Höhenmeter zu.
Was treibt dich an, wenn Momente des Zweifels kommen? Hast du ein Motto, so einen goldenen Leitsatz, den du dir dann vorsagst?
Wenn es hart wird, rechne ich schnell in Prozent aus, dass ich schon so viele Kilometer hinter mir habe und so viel Energie hineingesteckt habe, dass es keinen anderen Ausweg gibt, als ins Ziel zu fahren. Ich gebe grundsätzlich nicht gern auf, und ich glaube, das ist ein riesiger Vorteil, aber auch ein Nachteil. Manchmal sollte man doch loslassen, und das kann ich nicht.
Du bist schon auf so hohem Niveau, dass ich mich frage, ob es noch eine Medaille gibt, ein konkretes Ziel, das dein Radsporttraum ist.
Lange war mein Traum der erste Platz an der Amateur-Weltmeisterschaft, und das ist mir zweimal gelungen. In dieser Saison habe ich einfach davon geträumt, nach der Geburt wieder in Form zu kommen, und ich denke, das ist mir auch gelungen. Jetzt werde ich mir ein neues Ziel setzen müssen, ich würde wohl gern die magischen 5 W/kg überschreiten. Eigentlich ist nicht eine bestimmte Medaille mein Ziel, sondern eine Form aufzubauen, wie ich sie noch nie hatte. Mit Medaillen ist es so, dass man nicht mit der Einstellung herangehen kann, dass man es erreichen muss, weil man sonst das Velo wegwirft – um eine Medaille zu gewinnen, müssen viele Elemente zusammenpassen. Für mich sind Medaillen nicht das Wichtigste, die grösste Freude bereitet mir der Prozess der Vorbereitung, zum Beispiel auf eine Weltmeisterschaft. Dann konzentriere ich mich das ganze Jahr auf dieses Ziel und trainiere nach einem festgelegten Plan. Ich denke jetzt, mein grösster Traum seit Beginn des Trainings ist es, mich einfach immer weiterzuentwickeln.
Als Frau und Mutter bewundere ich dich, deine Entschlossenheit und Selbstdisziplin sehr. Du hast fast die ganze Schwangerschaft hindurch trainiert, und nach der Geburt bist du ebenfalls überraschend schnell wieder aufs Velo und in Form gekommen.
Ich habe bis zum 7. Schwangerschaftsmonat trainiert. Zu diesem Thema gibt es natürlich viele Kontroversen, aber ich hatte die Erlaubnis meines Arztes, also bin ich gefahren. Die ersten Monate waren sehr schwer, klar, das war eine Zeit ständiger Müdigkeit, und ich habe einfach versucht, auf meinen Körper zu hören. Ich bin jeden Tag gefahren, hauptsächlich eine Strecke, aber wenn ich spürte, dass ich keine Kraft dafür hatte, habe ich mich einfach ausgeruht. Das zweite Trimester war leichter, da fühlte ich mich besser. In den letzten Schwangerschaftsmonaten war der Bauch so gross, dass mir das Velofahren keine Freude mehr machte, also habe ich mit dem Training aufgehört. Aber ich bin aufs Schwimmbad umgestiegen und habe mich dabei super gefühlt, also bin ich im Grunde jeden Tag geschwommen. Ich denke, dass ich deshalb nach der Geburt kein Problem hatte, wieder in Form zu kommen. Ich habe sogar den Eindruck, dass es für mich leichter war als die Rückkehr zur Aktivität nach der Knieoperation, die ich nach einem Skiunfall hatte. Wichtig war mir, in der Fülle neuer Pflichten Zeit nur für mich zu finden. Ohne das Velo, das weiss ich, wäre es mir schwergefallen, mich an die neue Rolle anzupassen.
Ich finde, du hast diese Anpassung hervorragend gemeistert. Du hast erwähnt, dass du Jaś noch stillst. Verrätst du uns, wie du intensive Trainings und Rennen mit deiner Rolle als Ehefrau, junge Mutter und dazu noch mit der Arbeit vereinbarst?
Manchmal gibt es Tage, an denen bei der Arbeit etwas schiefgeht, Jaś krank wird, der Tag einem katastrophal vorkommt, dann gehe ich auch nur für ein einstündiges Training raus, um einfach abzuschalten. Das sind anspruchsvolle Trainings für den Körper, aber mein Kopf erholt sich dabei. Ich mache dann harte Intervalle und komme erschöpft, aber glücklich nach Hause und bereit, mich auf das zu konzentrieren, was mir am wichtigsten ist.
Ich vermute, die Unterstützung deines Mannes ist dabei unbezahlbar?
Ja, natürlich. Ohne die Unterstützung und das Engagement von Antoni wäre ich nicht weit gekommen. Von Anfang an hat mich mein Mann im Radsport sehr unterstützt, er hat verstanden, dass das Velo meine Lebensqualität verbessert, dass es mir wichtig ist und dass ich dadurch ein erfüllterer Mensch bin. Als ich nach der Geburt grünes Licht für die Rückkehr ins Training bekam, haben wir einen Plan gemacht, wann Antoni die Betreuung von Jaś übernimmt. Er versucht, mich bei Rennen zu begleiten, auch jetzt bei der Weltmeisterschaft in Schottland waren wir als ganze Familie dort.
Wie sieht dein Tag ohne Velo aus?
Da ich als Informatikerin bei den Schweizerischen Bundesbahnen arbeite, habe ich Zugbillette und Fahrten mit den Bergbahnen mit Aussicht gratis. Wenn wir einen freien Tag haben, steigen wir als ganze Familie in den Zug und machen einen Ausflug. In der Schweiz gibt es sehr viele Möglichkeiten für längere und kürzere Ausflüge.
In dieser Saison, die noch nicht zu Ende ist, hast du schon fast 10 000 km in den Beinen. Merkst du, dass der Hormonzyklus einen Einfluss auf deine Trainings und Rennen hat?
Irgendwann, als ich schon wirklich viel und hart trainierte, haben Arek und ich angefangen, genau darauf zu schauen, wie meine Trainings an bestimmten Tagen des Zyklus aussehen, und tatsächlich hat das eine grosse Bedeutung. Dadurch hat er verstanden, warum ich zum Beispiel in einem Rennen keine Kraft hatte, obwohl ich gut vorbereitet war. Ich merke an mir, dass mir kurz vor der Periode selbst ein einfaches Training schwerfällt, und wenn die Periode einsetzt, bekomme ich einen Mega-Power-Schub: Einerseits gibt es Krämpfe, andererseits ist mehr Testosteron da, und mein Training ist effektiver, ich kann dann viel mehr Watt treten.
Ich frage noch nach der Ernährung, denn das ist für Frauen immer ein wichtiges Thema. Gibt es etwas, worauf du besonders achtest?
Was für mich sehr wichtig ist, ist die Kontrolle des Eisens. Wer viel trainiert und Rennen fährt, muss meiner Meinung nach regelmässig Blutuntersuchungen machen, um bei einem Mangel mit der Supplementierung beginnen zu können. Amateure sind sich nicht immer bewusst, wie wichtig das ist, aber als ich zum Beispiel einen sehr niedrigen Ferritinwert hatte, kehrte er dank der Supplementierung in den Normbereich zurück, und dann verbesserten sich meine sportlichen Ergebnisse. Ein schlechtes Blutbild führt nicht nur dazu, dass die Trainings ineffektiv sind, sondern kann schlicht gefährlich sein, man kann zum Beispiel knapp an einer Anämie vorbeischrammen. Bei Frauen ist das, denke ich, besonders wichtig, weil sie während der Menstruation rote Blutkörperchen verlieren. Durch den Hormonzyklus verlieren Frauen 3–4 Mal mehr Eisen als Männer, und wenn man dazu zum Beispiel eine fleischlose Ernährung nimmt, stellt sich heraus, dass der Eisenspiegel sehr niedrig ist. Und plötzlich fragt sich eine Frau, warum sie ständig müde ist und die Beine nicht richtig ziehen.
Hast du zum Schluss aus deiner Erfahrung Ratschläge für Mädchen und Frauen, die gerade erst mit dem Radsport anfangen, und für diejenigen, die davon träumen, wie du in Zukunft auf dem Podest einer Weltmeisterschaft zu stehen?
Sie müssen es einfach versuchen, anders geht es nicht. Ich bin eine Anhängerin kleiner Schritte, ich denke, am Anfang müssen sie die Distanz ihren Möglichkeiten anpassen. Mein erstes Rennen war sehr hart, aber gerade mich hat das überzeugt. Ich glaube aber, dass die meisten Leute sich entmutigen lassen könnten, deshalb würde ich am Anfang kleine Schritte empfehlen, mit etwas zu beginnen, das zu leicht erscheint, und dann, wenn es gefällt, schrittweise immer mehr zu trainieren.
Vielen Dank, dass du deine Geschichte über den Radsport mit uns geteilt hast. Du hast darin viele wertvolle Tipps gegeben, die sicher weitere Frauen motivieren werden, nicht nur Velo zu fahren, sondern auch auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten.
Ich danke auch, und wir sehen uns auf der Strasse.
Arkadiusz Kogut, Od rowerzysty do kolarza. Podręcznik krok po kroku (Vom Radfahrer zum Radrennfahrer. Ein Handbuch Schritt für Schritt), Kapitel 11 «W grochach i tęczy» («In Punkten und Regenbogenstreifen»), S. 307–315. Veröffentlicht mit Genehmigung der Interviewerin. Aus dem Polnischen übersetzt. Das Buch ↗